Transparenz im Mikrometerbereich: Wir stellen BMF Clear vor

Für Ingenieure und Forscher, die an der Schnittstelle von Optik, Mikrofluidik und Präzisionsfertigung tätig sind, besteht seit Jahren eine Einschränkung: Ein wirklich transparenter 3D-Druck im Mikromaßstab war bislang nicht realisierbar. Die derzeit verfügbaren Verfahren weisen entweder Mängel hinsichtlich der optischen Klarheit auf, erfordern einen hohen Aufwand bei der Nachbearbeitung oder können schlichtweg nicht die für anspruchsvolle Anwendungen erforderliche Detailauflösung erreichen.

Das ändert sich heute. Boston Micro Fabrication bringt „BMF Clear“ auf den Markt – ein extrem transparentes Photopolymerharz, das speziell für den mikropräzisen 3D-Druck entwickelt wurde und eine Lichtdurchlässigkeit von über 90 % sowie die für die BMF-Plattform bekannte Genauigkeit im Mikrometerbereich bietet.

Die „Optical Clarity“-Challenge

Um bei 3D-gedruckten Bauteilen echte optische Klarheit zu erzielen, reicht es nicht aus, lediglich ein transparentes Material zu verwenden. Im Mikrobereich wirken zwei physikalische Phänomene dem entgegen: die Absorptionsfähigkeit des Materials und die Oberflächenrauheit. Selbst geringfügige Unregelmäßigkeiten in der Oberflächenbeschaffenheit führen zu Lichtstreuung und -beugung, was die Lichtdurchlässigkeit in Anwendungen wie optischen Wellenleitern, mikrofluidischen Kanälen und integrierten photonischen Bauelementen beeinträchtigen kann.

BMF Clear wurde speziell entwickelt und optimiert, um diese beiden Herausforderungen zu bewältigen. Das Ergebnis ist ein Material mit branchenführender Transparenz – nicht die Transluzenz, die „klare“ Harze bisher geboten haben –, kombiniert mit der hervorragenden Oberflächenqualität, die durch die Projection Micro Stereolithography (PµSL)-Technologie von BMF erzielt wird.

BMF bietet ein Material mit extrem hoher Transparenz, einer Lichtdurchlässigkeit von über 90 % und einem Brechungsindex des bedruckten/vollständig ausgehärteten Materials von 1,5375 bei 589 nm. In Kombination mit der hervorragenden Oberflächenqualität ergibt sich daraus eine unübertroffene Lösung für transparente Bauteile mit höchster Präzision.

Mikrofluidik-Chip, gedruckt auf BMF Clear

Einführung in Haze und Geometrie

Bei unabhängigen Tests gemäß ASTM D1003 unter Verwendung einer Lichtquelle im Bereich von 400–780 nm und einer 0,1 mm dicken Probe wurde für BMF Clear ein Trübungswert von 5,45 % gemessen – ein Ergebnis, das im Kontext betrachtet werden muss. Die Relevanz der Trübung hängt stark von der Geometrie und dem Strahlengang ab. Flache Oberflächen – die Ober- und Unterseite eines gedruckten Teils – werden direkt an der glatten Membran-/Fenster-Grenzfläche von BMF geformt, wodurch direkt aus dem Drucker eine glasartige Oberfläche mit hervorragender Klarheit entsteht. Gekrümmte und vertikale Seitenwände verhalten sich anders: Selbst bei feinen Schichtdicken ist ein gewisses Maß an Schichtabstufungen bei jedem additiv gefertigten Teil unvermeidbar, selbst bei Mikrometer-Schichten, die Licht streuen und die scheinbare Trübung auf diesen Oberflächen verstärken können.

Bei vielen Anwendungen im Mikrobereich – mikrofluidische Bauelemente, Lichtleiter, transparente Gehäuse, Prüfmerkmale, Flüssigkeitskammern und Prototypen medizinischer Geräte – wirkt sich diese Unterscheidung zugunsten von BMF Clear aus, da der relevante Strahlengang (beispielsweise zur Beobachtung von Flüssigkeitsbewegungen oder der inneren Geometrie) in der Regel durch die flachen Ober- und Unterseiten und nicht durch die Seitenwände verläuft. Bei Anwendungen, die eine echte abbildende Leistung erfordern – beispielsweise Lichtleiter mit geringer Streuung oder hochempfindliche optische Sensorik –, sollten Geometrie, Wandstärke, gekrümmte Oberflächen und Ausrichtung für das jeweilige Bauteil bewertet werden.

Transparente mikrofluidische Verbindungsstücke, 3D-gedruckt mit dem optisch klaren Harz „BMF Clear“

Plattformkompatibilität und Nachbearbeitung

BMF Clear ist für die nahtlose Integration in die 10-Mikrometer- und 25-Mikrometer-Systeme von BMF ausgelegt und druckt mit Schichthöhen zwischen 10 und 50 Mikrometern. Die Kompatibilität erstreckt sich über die gesamte Plattformpalette von BMF – von High-End-Produktionssystemen bis hin zur kompakten Tischserie microArch® S150 –, sodass die Lösung sowohl für Forschungslabore als auch für den Einstieg in die Produktion geeignet ist.

Die Kombination aus ultrahochauflösendem Druck und den Materialeigenschaften von BMF Clear gewährleistet eine hohe Detailtreue und eine hervorragende optische Leistung bei flachen und nahezu flachen Geometrien direkt aus dem Drucker, ohne dass eine Nachbearbeitung erforderlich ist. Bei Bauteilen mit gekrümmten Oberflächen oder Seitenwänden im Strahlengang kann eine nachträgliche Nachbearbeitung die sichtbare Klarheit weiter verbessern. BMF kann im Rahmen der laufenden Anwendungsentwicklung gemeinsam mit den Kunden die Optionen von Fall zu Fall prüfen.

Anwendungen freigeschaltet

Die bedeutendere Auswirkung von BMF Clear liegt darin, dass es Möglichkeiten für Anwendungen eröffnet, deren Herstellung in großem Maßstab bislang schwierig oder unpraktisch war.

Entwicklung von Mikrofluidik und Lab-on-a-Chip-Systemen.Transparente, durchströmbare Kanäle ermöglichen eine präzise Visualisierung und analytische Zuverlässigkeit – entscheidend für Anwendungen wie die hochauflösende Tröpfchenerzeugung und Zellkultur-Assays. Bislang haben sich viele Forscher auf die PDMS-Weichlithografie verlassen, ein Verfahren, das die Skalierbarkeit, Haltbarkeit und Designflexibilität einschränkt. Für Teams, die gezielt nach Alternativen zu PDMS für die mikrofluidische Fertigung suchen, bietet BMF Clear einen überzeugenden Weg: die Gestaltungsfreiheit der additiven Fertigung, die Maßgenauigkeit des Mikropräzisionsdrucks und den Wegfall des Aufwands für den Formenbau.

Mikrooptik, Photonik-Gehäuse und optische Sensorik. BMF Clear vereint hohe optische Transparenz mit Fertigungspräzision im Mikrometerbereich und eignet sich daher hervorragend für transparente Komponenten im Mikromaßstab, wie beispielsweise optische Ausrichtungselemente, Sensorgehäuse, mikrofluidische Bauelemente, Linsenhalterungen und Strukturen für Photonik-Gehäuse. Die Fähigkeit, komplexe Geometrien und feine Strukturen herzustellen, ermöglicht die schnelle Prototypenentwicklung und die Kleinserienfertigung von Komponenten, deren Herstellung mit herkömmlichen Verfahren schwierig oder kostspielig ist. Für Anwendungen im Bereich der Lichtdurchlässigkeit, Bildgebung oder optischen Sensorik werden anwendungsspezifische Tests empfohlen, um die Leistung hinsichtlich Transmission, Streuung und anderer optischer Anforderungen zu validieren.

Biomedizinische Geräte.BMF Clear hat strenge Biokompatibilitätstests hinsichtlich Hautreizung, Sensibilisierung und In-vitro-Zytotoxizität bestanden und eröffnet damit zusätzliche Möglichkeiten für die Miniaturisierung von Geräten – darunter endoskopische Systeme, intraokulare Instrumente und minimalinvasive Anwendungen zur Medikamentenverabreichung, bei denen die Sichtbarkeit im Körperinneren und die Maßgenauigkeit unverzichtbar sind.

Vom Prototyp bis zur Serienfertigung

Einer der praktischen Vorteile von BMF Clear besteht darin, dass es nicht nur der Forschung in der Frühphase dient. Durch die Kombination von extrem hoher Transparenz mit Präzision im Mikrometerbereich und der bewährten Fertigungsplattform von BMF bietet es einen zuverlässigen Weg vom Proof-of-Concept bis zur skalierbaren Produktion. John Kawola, CEO von Boston Micro Fabrication, drückt es so aus: „Das BMF Clear-Harz geht diese Herausforderung direkt an und schließt die Lücke zwischen Prototypenbau und Mikrofertigung auf Produktionsebene.“

Diese Brückenfunktion macht diese Ankündigung zu mehr als nur einer Materialvorstellung. Für Teams, die an optischen Komponenten der nächsten Generation, mikrofluidischen Geräten oder integrierten photonischen Systemen arbeiten, bedeutet dies eine bedeutende Erweiterung der Möglichkeiten, die sich mit der additiven Fertigung bieten.

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